Luftkühler und Luftfeuchtigkeit: warum sie in Deutschland weniger bringen

Das Urteil in Kürze

Ein Verdunstungskühler kühlt, indem Wasser aus einer feuchten Patrone verdunstet und der Luft dabei Wärme entzieht. Das funktioniert nur, solange die Luft noch Wasser aufnehmen kann. Bei 30 Prozent relativer Luftfeuchte sind mehrere Grad drin, bei 70 Prozent bleiben oft nur ein bis zwei, und oberhalb von etwa 80 Prozent befeuchtet das Gerät hauptsächlich, statt zu kühlen. Deutschland liegt im Sommer im Mittel bei rund 70 Prozent, Juli und August sind die feuchtesten Monate des Jahres. Für Sie heißt das: Prüfen Sie den Wert in Ihrem eigenen Zimmer, bevor Sie kaufen. Ein Hygrometer kostet unter zehn Euro und beantwortet die Frage zuverlässiger als jede Produktseite.

Wie kühlt ein Verdunstungskühler überhaupt?

Über Verdunstungskälte, denselben Effekt, der Sie frieren lässt, wenn Sie nass aus dem Wasser steigen. Das Gerät zieht Raumluft an, führt sie an einer feuchten Patrone vorbei und bläst sie wieder aus. Beim Verdampfen entzieht das Wasser der Luft Wärme, und die Luft kommt kühler heraus, als sie hineingegangen ist.

Der Haken steckt im Wort Verdampfen. Luft kann nur eine begrenzte Menge Wasserdampf aufnehmen, und wie viel noch fehlt, beschreibt genau die relative Luftfeuchtigkeit. Bei 100 Prozent ist die Luft gesättigt, es verdunstet nichts mehr, und das Gerät bewegt nur noch Luft.

Was bedeutet das für einen deutschen Sommer?

Deutschland liegt im Sommer im Mittel bei rund 70 Prozent relativer Luftfeuchte, und Juli und August sind die feuchtesten Monate des Jahres. Genau die Monate, in denen Sie das Gerät kaufen wollen.

Das ist der Unterschied zu den Ranglisten, die aus den USA übersetzt werden. Ein Sommertag in Arizona liegt bei 20 bis 30 Prozent. Dort holt ein Verdunstungskühler heraus, was auf der Verpackung steht. In Deutschland ist der Ausgangspunkt ein anderer, und die ehrliche Erwartung ist entsprechend kleiner.

Situation Typische Sommerwerte Was Sie vom Verdunstungskühler erwarten können
Trockene Hitzewelle, Innenstadt 40 bis 55 Prozent Spürbare Abkühlung im Luftstrom, das Gerät zeigt, was es kann
Normaler Sommertag, Binnenland 60 bis 70 Prozent Ein bis zwei Grad im Luftstrom, angenehm, aber kein Ersatz für Kühlung
Küstennah oder Flusstal, schwül 70 bis 80 Prozent Kaum Kühlung, das Gerät befeuchtet vor allem
Nach einem Sommergewitter über 80 Prozent Praktisch keine Wirkung

Städtische Innenräume sind dabei meist etwas trockener als das offene Umland, und der Wert schwankt über den Tag. Deshalb ist die Tabelle eine Orientierung und kein Ersatz für eine Messung bei Ihnen.

Wie prüfen Sie das bei sich zu Hause?

Kaufen Sie ein digitales Hygrometer, fünf bis zehn Euro reichen. Stellen Sie es dorthin, wo Sie tatsächlich sitzen oder schlafen, nicht ans Fenster und nicht neben ein Heizungsrohr. Lesen Sie an zwei oder drei heißen Tagen jeweils am Nachmittag ab.

Liegen Sie regelmäßig unter 55 Prozent, ist ein Verdunstungskühler eine sinnvolle Anschaffung. Liegen Sie zwischen 55 und 70, bekommen Sie einen kleinen Effekt und viel bewegte Luft, was an einem Schreibtisch trotzdem angenehm sein kann. Liegen Sie darüber, sparen Sie sich das Geld für diese Bauart.

Was hilft stattdessen, wenn es bei Ihnen feucht ist?

Zwei Wege. Der günstige: ein Gerät mit Peltier-Kühlplatte, das eine Metallfläche kühlt, die an Ihrer Haut anliegt. Das funktioniert bei jeder Luftfeuchtigkeit gleich, wirkt aber nur dort, wo die Platte Sie berührt oder der Luftstrom Sie trifft.

Der teure: ein echtes Klimagerät mit Abluftschlauch. Es entzieht dem Raum Wärme und trocknet die Luft zusätzlich, kostet aber ein Vielfaches, braucht eine Fensteröffnung und deutlich mehr Strom. Für ein Schlafzimmer, in dem Sie jede Nacht liegen, kann sich das trotzdem rechnen. Für einen Schreibtisch nicht.

Woran erkennen Sie eine unehrliche Angabe?

Daran, dass eine Temperaturzahl ohne die zugehörige Luftfeuchtigkeit steht. Eine Angabe wie sechs Grad kühlere Luft ist ohne den Zusatz, bei welcher Ausgangsfeuchte das gemessen wurde, nicht überprüfbar und im deutschen Sommer selten erreichbar. Seriöse Hersteller nennen die Bedingungen mit. Wer nur die Zahl nennt, verkauft die Idealbedingung.

Häufige Fragen

Ab welcher Luftfeuchtigkeit lohnt sich ein Verdunstungskühler nicht mehr?

Als Faustregel: Unter 50 Prozent relativer Luftfeuchte merken Sie einen deutlichen Effekt, zwischen 50 und 70 Prozent einen kleinen, und oberhalb von 70 Prozent geht der größte Teil der Leistung in zusätzliche Feuchtigkeit statt in Kühlung. Entscheidend ist der Wert in Ihrem Zimmer, nicht der Wert im Wetterbericht.

Macht ein Verdunstungskühler die Wohnung feucht?

Ja, das ist physikalisch unvermeidlich. Er verdampft Wasser in die Raumluft, das ist sein Funktionsprinzip. In einem gut gelüfteten Zimmer fällt das kaum auf. In einem kleinen, geschlossenen Raum, in dem die Luft ohnehin bei 70 Prozent liegt, kann es unangenehm werden und im Extremfall Schimmelbildung begünstigen. Lüften Sie, wenn Sie das Gerät länger laufen lassen.

Wie messe ich die Luftfeuchtigkeit in meinem Zimmer?

Mit einem Hygrometer, digital ab etwa fünf bis zehn Euro. Stellen Sie es nicht direkt ans Fenster und nicht neben eine Heizung, sondern dorthin, wo Sie sich aufhalten. Messen Sie an zwei, drei heißen Tagen jeweils nachmittags. Wenn Sie regelmäßig über 70 Prozent liegen, ist ein Gerät mit Kühlplatte oder ein echtes Klimagerät die bessere Investition.

Welche Geräte funktionieren unabhängig von der Luftfeuchtigkeit?

Alles, was nicht mit Verdunstung arbeitet. Ventilatoren mit Peltier-Kühlplatte kühlen über eine Metallfläche, die an der Haut anliegt, und ihre Wirkung hängt nicht davon ab, wie feucht die Luft ist. Echte Klimageräte mit Abluftschlauch entziehen dem Raum Wärme und Feuchtigkeit gleichzeitig, kosten aber ein Vielfaches und brauchen eine Fensteröffnung.

Warum werben die Hersteller dann mit so großen Zahlen?

Weil die Zahlen unter Idealbedingungen entstehen, also in trockener Luft und direkt vor dem Auslass gemessen. Beides ist zulässig und beides ist für einen deutschen Sommer nicht repräsentativ. Achten Sie darauf, dass Angaben zur Temperaturabsenkung fast nie mit der Luftfeuchtigkeit angegeben werden, bei der sie erreicht wurden.

Quellen