Klimagerät ohne Abluftschlauch: warum es das nicht gibt

Das Urteil in Kürze

Ein Klimagerät ohne Abluftschlauch kann es nicht geben, und das ist keine Frage der Technik, sondern der Physik. Kühlen heißt, Wärme aus einem Raum herauszuschaffen. Ohne Schlauch, der die Abwärme nach draußen führt, bleibt die Wärme im Zimmer, und ein Gerät, das Strom verbraucht, fügt sogar noch etwas hinzu. Was unter diesem Namen verkauft wird, sind Verdunstungskühler und Ventilatoren mit Kühlplatte. Sie kühlen den Luftstrom, der auf Sie gerichtet ist, um einige Grad, und dafür sind sie brauchbar. Sie kühlen keinen Raum, und keine Formulierung auf einer Verkaufsseite ändert daran etwas.

Warum ein Schlauch nicht wegzudenken ist

Ein Klimagerät erzeugt keine Kälte. Es verschiebt Wärme. Es nimmt sie an einer Stelle auf und gibt sie an einer anderen wieder ab, genau wie Ihr Kühlschrank, dessen Rückseite warm ist, während innen Milch kalt bleibt.

Stellen Sie sich einen Kühlschrank mit offener Tür in einem geschlossenen Zimmer vor. Innen wird es kalt, hinten wird es warm, und im Raum insgesamt wird es wärmer, weil auch der Motor Strom in Wärme verwandelt. Genau das wäre ein Klimagerät ohne Abluftschlauch.

Der Schlauch ist also nicht ein lästiges Zubehör, das ein cleverer Hersteller wegkonstruieren könnte. Er ist der Weg, auf dem die Wärme das Zimmer verlässt. Ohne ihn gibt es keinen Grund, warum die Temperatur im Raum sinken sollte.

Was dann tatsächlich verkauft wird

Drei Gerätearten laufen unter dem Etikett.

Verdunstungskühler. Wasser verdunstet an einer feuchten Patrone und entzieht der vorbeiströmenden Luft dabei Wärme. Der Luftstrom kommt kühler heraus, die Raumluft wird dabei feuchter. Wirkt gut in trockener Luft und schlecht in feuchter, was in Deutschland zählt.

Ventilatoren mit Peltier-Kühlplatte. Eine Metallfläche wird elektrisch gekühlt, ihre Rückseite wird warm. Sie kühlen die Haut dort, wo die Platte anliegt, unabhängig von der Luftfeuchtigkeit. Auch hier bleibt die Abwärme im Zimmer.

Ventilatoren mit hübschem Namen. Bewegte Luft fühlt sich kühler an, weil sie Ihren Schweiß verdunsten lässt. Das ist ein echter Effekt auf Ihrer Haut und keiner auf dem Thermometer.

Alle drei können das tun, wofür sie taugen: einen Menschen an einem Platz kühlen. Keiner davon kühlt ein Zimmer.

Die Formulierungen, an denen Sie es erkennen

Achten Sie auf den Unterschied zwischen einer Aussage über das Gerät und einer Aussage über Ihr Empfinden. “Kühlt die Luft um bis zu 6 Grad” klingt nach Raumkühlung, meint aber die Luft im Auslass. “Sofortige Erfrischung” ist eine Aussage über Ihre Haut. “Ersetzt Ihre Klimaanlage” ist schlicht falsch.

Ein zweites Muster: Temperaturangaben ohne die Bedingungen, unter denen sie entstanden sind. Wenn ein Anbieter sechs Grad verspricht, aber nicht sagt, bei welcher Ausgangsfeuchte und in welchem Abstand gemessen wurde, ist die Zahl nicht überprüfbar.

Wann sich so ein Gerät trotzdem lohnt

Wenn Ihr Problem ein Platz ist und kein Raum. Ein Schreibtisch im Homeoffice, eine Bettseite, ein Balkontisch, eine Werkbank, ein Bürostuhl in einem Gebäude, in dem jemand anders über die Klimaanlage entscheidet. Dafür bekommen Sie für 40 bis 60 Euro gerichtete kühle Luft, ohne Montage, ohne Schlauch und für ein paar Cent Strom im ganzen Sommer.

Wenn Ihr Problem dagegen ein Schlafzimmer unter dem Dach ist, das nachts nicht abkühlt, dann führt kein Weg an einem Monoblock mit Abluftschlauch vorbei. Mit einer Fensterabdichtung für 20 bis 40 Euro funktioniert das auch zur Miete, ohne bauliche Veränderung. Es kostet mehr in der Anschaffung und deutlich mehr im Betrieb, aber es tut, was Sie erwarten.

Die ehrliche Zusammenfassung

Die Frage ist nicht, ob diese Geräte funktionieren. Sie funktionieren, für eine Aufgabe. Die Frage ist, ob die Aufgabe Ihre ist. Wer eine Person an einem Platz kühlen will, kauft hier richtig. Wer einen Raum kühlen will, kauft entweder ein Gerät mit Schlauch oder gibt Geld für eine Enttäuschung aus.

Häufige Fragen

Gibt es wirklich kein mobiles Klimagerät ohne Abluftschlauch?

Kein echtes. Jedes Gerät, das einen Raum kühlt, muss die entzogene Wärme irgendwohin abgeben, und das geht nur nach draußen. Geräte, die als schlauchlos beworben werden, sind Verdunstungskühler, Ventilatoren mit gekühlter Kontaktplatte oder schlicht Ventilatoren. Sie kühlen Sie, nicht den Raum.

Warum steht dann Klimagerät auf der Verpackung?

Weil der Begriff in Deutschland nicht geschützt ist und weil danach gesucht wird. Einer der Anbieter in unserem Vergleich verkauft ein Handgerät mit Kühlplatte ausdrücklich als tragbares Klimagerät mit echter Kaltluft. Es ist ein Ventilator mit einer kalten Metallfläche. Das Gerät ist nicht schlecht, die Bezeichnung ist falsch.

Was kühlt mein Schlafzimmer, ohne dass ich ein Loch bohren muss?

Ein Monoblock-Gerät mit Abluftschlauch und einer Fensterabdichtung. Der Schlauch geht durch das gekippte Fenster, die Abdichtung ist ein Stoffelement mit Reißverschluss und kostet zwischen 20 und 40 Euro. Sie brauchen keine Montage und keinen Eingriff in die Bausubstanz, das funktioniert auch in einer Mietwohnung.

Wie viel kühler wird es mit einem Mini-Luftkühler wirklich?

Im Luftstrom direkt vor dem Gerät, bei trockener Luft, einige Grad. In einem deutschen Sommer bei rund 70 Prozent Luftfeuchtigkeit bleiben davon oft ein bis zwei Grad übrig. Die Raumtemperatur ändert sich nicht messbar, und bei einem Gerät mit Kühlplatte ist der Effekt auf die Stelle beschränkt, die die Platte berührt.

Sind diese Geräte dann Geldverschwendung?

Nein, wenn Sie wissen, was Sie kaufen. Für einen Schreibtisch, eine Bettseite oder einen Balkonabend ist gerichtete kühle Luft für 40 bis 60 Euro und ein paar Cent Strom eine vernünftige Sache. Verschwendet ist das Geld nur, wenn Sie ein gekühltes Zimmer erwarten, und genau diese Erwartung erzeugt die Werbung.

Quellen